Sonntag, 1. September 2013

Transalpin Run 2013 - Jens Meyer tut es schon wieder

Gespannt sitzte ich von meinem Laptop und verfolge die letzten Bilder, Kommentare, ja sogar die aktuelle GPS Position von Jens Meyer.
Jens, mein Freund und Trainingspartner ist dieses Jahr bereits das dritte Mal in Folge beim Transalpin-Run, einem der härtesten Etappenrennen der Welt, bei dem in 8 Tagen 4 die Alpen durchlaufen werden.

Dank modernster Technik sendet er noch während der jeweiligen Etappen Bilder und seine aktuelle Postition. Die schönsten Bilder stelle ich hier vor.


Tag 1: Oberstorf - Wankalm - Fiderscharte - Mindelheimer Hütte - Schrofenpass - Warth -  Lech
34,5 Km, 2.083 HM Aufstieg, 1.469 Meter Abstieg.

Der erste Tag begann für das Team Jens Meyer und Frank Eickmann gleich mit einem Schrecken. Nach dem ersten Berg folgte der erste steile Abstieg. Auf dem rutschigen Boden stürzte Frank und zog sich einige Schürfwunden und leichte Prellungen zu. Dank seiner guten koordinativen Fähigkeiten, Jens bescheinigt ihm die Haltungnote 1a ;-) konnte er jedoch schlimmeres vermeiden und das Team schaffte es mit Verzögerung noch ins Ziel.

Jens Meyer, Jutta Wesselmann, Frank Eickmann (v.l.) 







Tag 2: Lech - Rüfikopf Bergstation - Rauhekopfscharte - Erlijoch - Valvagerjoch - St. Anton
24,7 KM, 1.899 Meter Aufstieg, 2.040 Meter Abstieg

Leider klappte es mit der erhofften "Spontanheilung" von Franks Verletzungen nicht so ganz. Unbeeindruckt davon kämpften sich die beiden aber durch die Etappe. Und die hatte es in sich. 3 Stunden für 5 KM und über 1.000 Höhenmeter. Das macht ca. 22% Steigung im Mittel. Wer jemals in den Bergen unterwegs war, weiß was das bedeutet. Die Etappe war von Regen gezeichnet. Die Stimmung sollte jedoch nicht darunter leiden. Fantastische Eindrücke, so schildert Jens, entschädigten für die Strapazen. Es wurde dann mit ca. 3 Grad noch ziemlich kalt.
Ein Schock am Ende der Etappe: Das Team soll doch tatsächlich das Zeitlimit verpasst haben. Dann kam die Entwarnung. Wegen des schlechten Wetters wurde das Zeitlimit um 1 Std. verlängert. Nochmal Glück gehabt!

Frank verstärkt den geschundenen Fuß mit Tape
Hier ging es nur auf dem Hintern rutschend weiter

Mit Laufen hat das hier jetzt nichts mehr zu tun


Mit 3 Grad Celsius wurde es dann doch sehr frisch

Tag 3: St. Anton - Doppelseescharte - Ischgl - Viderjoch - Samnaun

Es erwartet das Team die "Hammer-Etappe". Es ist die Rede von einer der härtesten Etappen, die es je bei einem Transalpin-Run gegeben hat. 2.975 Meter im Anstieg, 2.431 Meter im Abstieg, 38,5 KM länge. 

Schon um 5 Uhr morgens stand das Team auf um sich vorzubereiten. Eine weitere Person kam hinzu: Daniela aus Dortmund. Ihr Teampartner wurde von Krämpfen geplagt und setzt mindestens diese Etappe aus.

Das Team bekam weiteren Zuwachs: Daniela aus Dortmund






Tag 4
Das Team hat die vierte Etappe sehr gut überstanden. Keine Sorgen um Zeitlimits mehr. Es läuft wohl alles besser. Das schöne Wetter und die traumhafte Aussicht war richtig was für Genießer, so Jens. Dabei sah es nach dem Aufstehen eigentlich gar nicht gut aus für Jens. Kopf- und Magenschmerzen plagten ihn. Aber als er sagte "ich bin raus" erntete er nur ein "häh? Nichts mit Mitleid ;-).
Jens traf alte Bekannte wieder, wie Stephan "Gripmaster" Repke, der für Plan B Fotos und Videos macht, sowie Kelvin, ein Profifotograf, den Jens schon bei seinem ersten Trailrunning Camp kennenlernen durfte.

Jens in seinem Element - einfach laufen lassen

Der Meister der Fotos und Videos höchst persönlich Stephan Repke aka "Gripmaster"




Tag 5

Bergsprinttag. Beim Bergsprint wird die Regel, dass die Teammitglieder unmittelbar beieinander bleiben müssen, aufgehoben. Hier konnten sich Jens und Frank dann so richtig austoben. Es lief für das Team dann so gut, dass die beiden zwischenzeitlich sogar auf Platz 1 lagen. Jens hofft nur, dass die Motivation nicht zu groß ist und sie morgen so langsam sind, dass sie sich Sprüche wie "Was ist los? habt Ihr Uhu an den Schuhen" anhören müssen.
Neidisch wurde ich bei dem Panorama-Pasta-Essen-Foto nach dem Lauf.
Panorama-Pasta-Party


Tag 6 "It´s a beautiful day!"
Scoul - Uina Dadaint - Schlingpass - Schafberg - St. Valentin
37,8 KM, 1.633 HM Aufstieg, 1.369 HM Abstieg


“Dangerous section?!” “Incredible section!” - So beschreibt Jens die für ihn faszienierende und respekteinflößende Uina Schlucht. Trailrunning ist nicht nur Laufen. Trailrunning ist eine Lebenseinstellung - eine Aufgabe und und Möglichkeit seinen eigenen Horizont zu erweitern. So lernte Jens jemanden kennen der sich leider nicht daran erinnern konnte, dass die beiden vor zwei Tagen miteinander gesprochen hatten. Er habe vor Jahren bei einem schlimmen Unfall sein Kurzzeitgedächtnis verloren und deutete auf die große Narbe auf seinem Kopf hin. Aber das Leben geht weiter, wie dieser Läufer durch seine Teilnahme an diesem Extremlauf eindrucksvoll beweist. Die Pension an diesem Abend war schon was besonderes. Das Hotel Post in St. Valentin am Reschenpass ist mit ca. 1.000 Jahren wirklich historisch, schwärmt Jens.

Mit "It´s a beautiful Day" wurden die Läufer losgeschickt

Die Uina Schlucht ist nichts für "Weicheier"




Tag 7: St. Valentin - St. Georg - Gomagoi - Taberettscharte - Sulden
42,6 KM, 2.381 HM Aufstieg, 1.934 HM Abstieg


Eine lange Etappe war das heute für das Team. Die Tabarettscharte wartete auf fast 2.900 Meter Höhe auf das Team, nachdem die ersten 30 KM der Etappe und 4,5 Stunden geschafft waren. Das zog dem Team im wahrsten Sinne des Wortes fast die Schuhe aus.

Zitat Jens: Schritt für Schritt haben wir uns den Berg hochgearbeitet, erst auf schmalen Waldpfaden, dann über eine seilgesicherte schmale Geröllpassage bis hin zum Geröll oben auf dem Weg zum Gipfel. Das war sehr lang, aber auch schön und abwechslungsreich. Und die Quellwasser-Pause “served by Bergwacht” bei fast 28 Grad tat auch echt gut.









Tag 8: Sulden - Madritsch-Joch - Latsch
39,8 KM, 1.897 HM Aufstieg, 3.106 HM Abstieg

Heute wurden die Läufer nicht mit "A beautiful day", sondern mit "Highway to hell" losgeschickt. Ob das an dem gleich zu Anfang brutalen Anstieg auf 3.119 Meter Höhe lag? Auf 3.100 Meter Höhe schmeckte Jens jedenfalls sein Nutella Brot, dass er sich im Hotel noch eingesteckt hatte, besonders gut. Schade, dass es hiervon kein Foto gibt, sonst wäre Jens jetzt bestimmt auch Nutella-Werbepartner.
Die langen Abstiege heute taten dem Team so gar nicht gut. Die Füße und die gesamte Muskulatur war von den letzten Tagen sehr müde und schmerzte. Und mit dem Zeitlimit sollte es dann auch noch mal richtig knapp werden. Betrug der Puffer zum VP2 noch 30 Minuten, war das Team bei VP3 dann doch auf die Minute genau dort. Glücklicherweise war das Limit für die nächsten VPs dann nicht so eng gesetzt. Das Team wollte jetzt nur noch ein: Ankommen und mit den Lieben daheim telefonieren. Wie die Werte im Leben doch wieder ins rechte Licht gerückt werden, wenn man sich so entbehren muss.

Imposantes Bergmassiv auf der 8. Etappe des TAR 2013



Die Uhr misst doch tats. fast 3.100 Höhenmeter


Die Belohnung nach dem Zieleinlauf



Gratulation von mir an alle Finisher! Wie dieser Bericht zeigt, ist der TAR eine echte Herausforderung. Selbst erfahrene und starke Trailläufer wie Jens Meyer und Frank Eickmann stoßen hier an ihre Grenzen. Ich freue mich schon auf die Live-Berichte, wenn wir uns wiedersehen.

Mehr über Jens Meyer erfahrt Ihr auf seinem Blog: www.motivatedbynature.eu

2 Kommentare:

Jens hat gesagt…

Wow - die Berichterstattung/Zusammenfassungen meiner Postings ist ja besser als von der prof. Presse. Vielen lieben Dank fürs mitfiebern! Nächstes mal wieder "mitlaufen", ok?! :-)

Heiko Thoms hat gesagt…

Hi Jens! Zuerst mal vielen Dank für Deinen netten Kommentar. Ich bekomme bei diesen Bildern richtig Fernweh. So abwegig ist das nicht, dass ich nächstes Jahr wieder dabei bin :-)

Läuferweisheit

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