Donnerstag, 18. Oktober 2012

Menorca in 6 Tagen




Als wir am 4. Oktober diesen Jahres nach Menorca flogen, hatten wir noch keine konkreten Urlaubsvorstellungen. Etwas wandern und geocachen... die Insel so Stück für Stück erkunden. Aber es sollte anders kommen :-)


Nachdem wir uns am ersten Urlaubstag mit der näheren Umgebung und dem Örtchen Son Xoriguer vertraut gemacht hatten, wanderten am zweiten Tag entlang der Südküste in Richtung Osten bis zur Bucht "Cala Turqueta", wo wir auch eine kleine Badepause einlegten. 10 KM liefen wir dabei an traumhaften Buchten und Stränden vorbei - und wieder zurück. Da kam mir die Idee - Menorca doch einfach komplett zu umrunden. Ich war sozusagen mal wieder "Motivated by Nature", wie einer meiner Lauffreunde sagen würde.
Es gibt einen ausgeschilderten Wanderweg, der, meist entlang der Küste, um die ganze Insel herumführt. Es handelt sich hierbei um den "Cami de Cavalls", den Reiterweg der Kavallerie, der im gesamten 18. Jahrhundert genutzt wurde, um die an der Küste entlanglaufenden Verteidigungspunkte miteinander zu verbinden. Mehr als 14 Tage sollten Wanderer hierfür veranschlagen, steht in unserem Reiseführer. Radfaher sollten mindestens eine Woche einplanen.
Nach einem kurzem Studium der Karte und der Beschreibung im Reiseführer war die Aufgabe klar: Für die ca. 190 Kilometer werden 6 Tage veranschlagt - zu Fuß und im Laufschritt. Und so gab es doch noch eine sportliche Herausforderung für den Urlaub.
2012 war für mich aus sportlicher Sicht ein besonderes Jahr:
Im Mai lief ich auf Gran Canaria von der Küste in Maspalomas bis auf den höchsten Punkt der Insel, den Pico de las Nieves. Sozusagen von 0 auf 1.949 Meter bei 47 KM Gesamtstecke. Im Juli waren es die "4 Trails", bei denen an 4 Tagen 159 Kilometern und 9.800 Höhenmetern von Garmisch (Deutschland) nach Samnaun (Schweiz) zu überwinden waren. Das waren willkommene Abwechslungen zu den beiden Marathons im April und September, die nebenbei ebenfalls ein ganz besonderes Erlebnis für mich darstellten, denn im April lief ich das erste Mal überhaupt einen Marathon in weniger als 3 Stunden. Ein knappes halbes Jahr später sollte sich das bei meinem 30. Marathon in Münster glücklicherweise wiederholen. Eine Inselumrundung im Oktober ist doch ein gelungener Jahresabschluss, nicht wahr?
Nach der Idee fehlte noch das OK meiner "besseren Hälfte" Katrin. Ich wollte zwar nicht mit Sack und Pack losziehen und ihr für eine Woche "Lebewohl" sagen, aber wir waren schließlich gemeinsam hier zum Urlaub machen. Und den Lauf musste ich definitiv alleine bestreiten. Außerdem brauchte ich ein Supportfahrzeug, welches mich von Etappe zu Etappe begleitet. Und für diese Aufgabe blieb eigentlich nur Katrin. Etwas erstaunt war ich, als sie sofort und bedingungslos zustimmte. Also machten wir uns noch am gleichen Abend an die Planung. Und da es ja Urlaub war, gönnten wir uns trotz der bevorstehenden Strapazen dennoch das eine oder andere Bierchen.

Wir studierten den Reiseführer. Hier fand sich eine Beschreibung. Der "Cami de Cavalls" wurde darin in 20 Teilabschnitten eingeteilt und nach Schwierigkeitsgrat beurteilt wurde. Wir teilten die Inselumrundung neu auf, so dass wir auf unsere 6 Etappen kamen. Wie sich im Laufe der nächsten Tage herausstellten sollte, war unsere Einteilung der Strecke in 6 Einzeletappen, die zwischen 21 und 41 Kilometer lang waren, nahezu perfekt für unsere Ambitionen. Am Nachmittag der beiden kürzeren Etappen hatten wir sogar noch genug Lust und Kraft ein paar Kilometer gemeinsam die Gegend zu erwandern, ehe es mit dem Mietwagen zurück zum Hotel zum Abendessen ging.
Wir splitteten den Lauf in 2 Einheiten mit je 3 etwa gleich anstrengenden Etappen (was nicht unbedingt gleich viele Kilometer bedeuten muss). Zwischen diesen beiden Blöcken machten wir 3 Tage Pause und genossen Pool, Bar und Essen. Zwar nutzte ich die Pausentage für ein leichtes Krafttraining und Schwimmen, die Zeit reichte aber allemal um sich einigermaßen zu erholen. Nicht so schön war nämlich, dass meine Achillessehne seit einiger Zeit meint sich verstärkt bemerkbar zu machen. Das merkte ich jetzt nach jedem Aufstehen. Nach dem "Urlaub" kann ich mich ja immer noch schonen... Tipp: Ausgiebiges Stretching mindert den Schmerz ungemein!


Auf der Inselumrundung habe ich unzählige Buchten gesehen, das Wasser war so klar wie im Aquarium und leuchtete türkis-blau. Die Strände waren trotz der sommerlichen Temperaturen bis 29 Grad meist menschenleer und auch sauber. Das gilt insbesondere für die vielen kleinen, aber nennenswerten Buchten zwischen den großen Badestränden.
Am anspruchsvollsten war sicherlich die 5. Etappe von Binimel-lá nach Cala Morell. Die vielen Hügel und das viele Geröll auf den steilen Passagen machte das Laufen auf einigen Abschnitten schlicht unmöglich (eigentlich wollte man nur nicht ausrutschen und den Hang hinunter baseln). Das meinte übrigens auch ein Mountainbiker, den ich unterwegs kennengelernt habe. Er und seine Freunde waren so schlapp, dass ich die Gruppe zu Fuß hinter mir gelassen habe. Ihr vorhaben, Menorca an 2,5 Tagen zu umrunden, ist leider auf den letzten Kilometern gescheitert. Sie mussten das Rad einfach zu oft über die Berge tragen, was ihnen die letzten Kräfte raubte. Das Risiko, die Fähre zurück nach Mallorca zu bekommen, wollten sie dann auch nicht mehr eingehen. Der besagte Mountenbiker und ich blieben ein paar Kilometer zusammen und merkten gar nicht, dass wir irgendwo einen Wegweiser verpasst haben und wunderten uns dafür, dass der Rest seiner Gruppe nicht aufschloss, als das Profil wieder flach und fahrbar wurde. Das machte aber nichts, denn die Inselbewohner waren stets freundlich und hilfreich, wenn ich sie einmal nach dem Weg fragen musste. Und im Zweifel macht man bei einer Inselumrundung ja auch nichts verkehrt, wenn man sich an der Küste orientiert.
Am besten hat mir die erste Etappe von Son Xoriguer nach Son Bou gefallen. Eine fantastische Landschaft belohnte die Anstrengung. Es war nicht einen Kilometer auf Asphalt zu laufen. Der gesamte Weg war, wenn auch stellenweise nur sehr langsam, laufbar.
Die andere Etappen waren nicht wirklich schlechter. Aber es waren dann auch mal ein paar Kilometer auf einer befestigten Straße zu laufen. Zum Wandern wären die Asphaltstrecken wohl eher langweilig. Beim Laufen vergingen sie hingegen wie im Flug. Da merkte man dann ganz deutlich, wie schnell man unterwegs wäre, wenn der Untergrund stimmt. Und dann geht es ja auch schon wieder rein in die Natur...
Die Etappen:
Etappe 1: Son Xoriguer - Son Bou (32 KM, mittelschwer)
Etappe 2: Son Bou - Es Castell (41 KM, einfach)
Etappe 3: Es Castell - Favátrix (38 KM, einfach)
Etappe 4: Favátrix - Binimel-lá (21 KM, mittelschwer)
Etappe 5: Binimel-lá - Cala Morell (25 KM, schwer)
Etappe 6: Cala Morell - Son Xoriguer (37 KM, erst mittelschwer, dann einfach)

Folgenden Erkenntnisse habe ich aus dem Lauf gewonnen:
  1. Küsten sind nicht unbedingt flach
  2. Küsten auf Vulkaninseln enthalten sehr viele und sehr spitze Steine
  3. Altes Schuhwerk ist ratsam, da von dem scharfen Steinen und Felsen aufgeschlitzten neuen Schuhe immer so "weh" tun.
  4. Vergiss deine gewohnte Zeitrechnung komplett, wenn du im schwierigen Gelände unterwegs bist.
  5. Nur der erste Tag ist wie der erste Tag. Die Muskulatur ermüdet und hat bei den langen Etappen nicht genug Zeit, sich über Nacht vollständig zu erholen. Man wird also langsamer und auch unkonzentrierter.
  6. GPS ist eine gute Unterstützung um den vereinbarten Treffpunkt bequemer zu erreichen, oder eine Zwischennachricht über die aktuelle Position durchzugeben (z. B. falls man mal stürzt). In diesem Fall hätte aber auch eine Papier-Karte gereicht, da der Weg ausgeschildert war.
  7. GPS ersetzt keine Papier-Karte (Genauigkeit, Lesbarkeit, unbegrenzte Akkulaufzeit ;-)
  8. Fahrradhandschuhe können schützen (dann hätte ich mir die kleinen Steichnchen nicht aus den Händen pulen müssen, nachdem ich gestürzt bin)
  9. Handy und Verbandzeug mitnehmen.

Auf den ersten Kilometern der ersten Etappe

Etappenziel 1: Son Bou



Etappenziel 2: Es Castell

Etappenziel 3: Arenal d'En Castell

Etappenziel 4: Platja de Binimel-lá


Etappenziel 5: Cala Morell


Ziel der 6. Etappe (und Startpunkt) in Son Xoriguer


Karten informierten regelmäßig über den Aufenthaltsort



Mehr Bilder gibt es hier:

Menorca Trail 2012

4 Kommentare:

Steve hat gesagt…

Ziemlich cooles Projekt.
Ich will auch irgendwann mal auf so einer Insel laufen. Habe jetzt schon so viele Berichte darüber gelesen.

Macht Lust auf mehr und aufs selbst losziehen.

Heiko Thoms hat gesagt…

Danke Steve,

konditionell dürftest Du damit wohl keine Probleme haben, wenn ich mir mal so Deine Projekte ansehe. Auch das Problem mit der Höhenangst scheint Dir fern zu sein. Auf Menorca gibt es zumindest diesbezüglich aber sicher keine Schwierigkeiten.

VG
Heiko

Holger hat gesagt…

Sehr schöner Bericht. Hab ich mir direkt unter "will ich mal machen" abgespeichert.
Hörte sich nach einer Menge Spaß an.

Gruß
Holger

Claudio hat gesagt…

Wenn mal Not am Mann ist bzgl. privatem Physio weißt du wo du anklopfen kannst ;)
Super Projekt....Spontanität ist doch einfach was Schönes!

Beste Grüße, Claudio

Läuferweisheit

Läuferweisheit