Montag, 11. Juni 2012

Gran Canaria: Von Maspalomas zum Pico de las Nieves

8 Stunden - 47 KM - von 3 u. NN auf 1.949 ü. NN - einfach so und ohne Stress.

Gran Canaria Trail 2012

Zur Vorbereitung auf meinen Gran Canaria Trail, den ich im Rahmen unseres Sommerurlaubes machen wollte, klickte ich mir eine Strecke auf der Internetseite www.GPSies.com zusammen. 

Erklärtes Ziel war es, von der Küste in Maspalomas (3 Meter u. NN) bis zum höchsten Punkt auf Gran Canaria, den Pico de las Nieves (1.949 Meter ü. NN) zu laufen. Ohne jemals auf der Insel gewesen zu sein, konnte ich mir nur ein grobes Bild davon machen, was auf mich zukommen würde. Trockenheit, Hitze und steile Berge - viel Vulkangestein - so war meine grobe Vorstellung.

Als Equipment nahm ich neben den Sachen, die ich an hatte, meine GPS-Uhr (Garmin Forerunner 305), einen Trinkrucksack mit 1,5 Liter Wasserblase, diverse Energieriegel, eine Windjacke, eine Schirmmütze, Sonnenmilch, Taschentücher mein Handy und die Telefonnummer meiner Freundin, die ich auf einem separaten Zettel zusätzlich vermerkte, den ich in meinem Schuh deponierte. Sollte die Ausrüstung aus welchem Grund auch immer verloren gehen, habe ich wenigstens die Möglichkeit jemanden zu verständigen, so die Idee. Das Handy sollte gleichzeitig für Fotos und Videos herhalten. Den Job hat es auch gut gemacht.

Ich hatte auf Gran Canaria eine Woche Zeit zum akklimatisieren. Mit dem Auto fuhren wir also in die Berge, damit ich eine Vorstellung davon bekam, was mich erwarten würde. Und die Fahrt zum Pico de las Nieves war schon mit dem Auto eine Tortour. Obwohl wir zügig unterwegs waren, brauchten wir fast 1,5 Stunden bis auf den Berg. Und es ging eigentlich immer nur bergauf. "Das soll ich laufen?". Beeindruckt hat mich aber die fantastische Landschaft mit den spitzen Bergen und den tiefen Schluchten. Bis auf wenige Oasen oder den Pinienwäldern in den Höhenlagen ist die Insel sehr karg. Findet man Wege, sind diese steinig, aber halt nicht zugewachsen. Ideal für Trailrunner! Mit jedem Tag der ins Land ging, wurde ich "heißer", endlich den geplanten Lauf zu starten.

Endlich kam der Tag X. Am Montag den 21.05.2012 stand ich schon um 6:40 Uhr auf. Ab 7:00 gab es Frühstück. Ich wartete auch gar nicht erst auf die Bedienung, die mir den Kaffee brachte, sondern holte ihn mir gleich selbst - was das fleißige Personal nicht so gerne sah. Dazu 4 kleine Scheiben Baguette mit Nutella. Der Speisesaal war fast leer. Einige wenige Paare haben aber offensichtlich auch vor den Tag sinnvoll zu nutzen und beobachten mich neugierig in meinem Sportdress und mit Trinkrucksack am Frühstückstisch.

7:40 stand ich also am Leuchtturm in Maspalomas, das ruhige Meer im Nacken. Der Himmel war bedeckt, doch die Wolken bewegten sich und deuteten einen aufreißenden der Decke an.

Eigentlich war es mir egal, wie das Wetter wird. Zuviel Sonne? Vor einer Woche hatten wir hier Temperaturen von bis zu 39 Grad gehabt. Das Laufen war wirklich eine Qual. Die Temperaturen sanken dann um 10-15 Grad und der Himmel war in den letzten beiden Tagen zunehmend bedeckt. Als wir gestern noch auf dem Pico waren, waren dort nur noch 7 Grad und man konnte kaum die Hand vor Augen sehen. Die Wolken hatten die Bergspitze in Besitz genommen und jagten mit eisiger Kälte, Nässe und starkem Wind hierüber. Wir stiegen nur kurz aus und gingen dann schnell zurück ins Auto um synchron mit dem Kopf zu schütteln. Es war 7 Grad "warm".

Man kann es drehen und wenden wie man will - das Wetter muss man so nehmen wie es kommt.

Mein Weg führte mich über befestigte Straßen aus der Stadt hinaus. Es folgten ein breites Flussbett, jedenfalls sah es so aus, denn tatsächlich war hier nicht ein tropfen Wasser drin. Und ich hatte mir solche Stellen als "Wasserstelle" auf meiner Karte vermerkt...
Ich lief noch eine ganze Weile weiter, bis sich vor mir eine riesige Wand auftat. Eine Staumauer. Ungläubig schaute ich, ob nicht links oder rechts ein Weg daran vorbei ging. Wie dumm von mir, denn dann würde eine Staumauer wohl kaum ihren Zweck erfüllen. Es führte zwar eine Außentreppe hoch, das Geländer war aber durchgerostet und wenn man es anpackte, flatterte es nur so herum. Die Treppen waren auch sehr schmal und mit losem Schotter bedeckt. In Kombination mit einer gehörigen Portion Höhenangst war das zuviel für mich. Nach ein paar Stufen entschied ich mich nicht weiter nach oben zu gehen. Es half nichts, ich musste umkehren.

Umkehren heißt nicht aufgeben! Ich lief ein 2,3 Kilometer zurück um auf die Straße zu kommen. "Erstmal nach Fataga" war mein Gedanke.

Ich war nun von meiner Route abgekommen, ab dem Dorf Fataga, welches ich mir als zur Sicherheit als Zwischenstopp eingebaut hatte, konnte ich wieder auf meine geplante Route Stoßen.

Insgesamt lief nicht alles ganz so rund, wie ich mir das in meinem naiven Kopf gedacht habe. An diversen Stellen musste ich improvisieren und einfach meinem Instinkt folgen. Habe ich mal einheimische nach dem Weg gefragt - da war so ein uralter netter Herr, der in seinem Garten stand - wurde ich nur wie ein außerirdischer angeguckt. Dann steckte er jedoch seinen Arm gegen den Himmel und streckte einen Finger aus. Sein Mund war zwar geöffnet, aber heraus kam nichts. Wer sieht jetzt aus wie ein Außerirdischer? E.T. lässt grüßen! Viel weiter gebracht hat mich das nicht.

Aus den geplanten 37 Kilometern wurden 47 Kilometer. Die Höhe des Ziels auf 1.949 Meter blieb natürlich unverändert ;-). Ich sammelte auf meinem Weg dorthin noch unzählige fantastische Eindrücke. Und ich habe gelernt, dass man doch besser eine Karte in gedruckter Form mit dabei haben sollte, falls die Technik versagt oder einfach nicht ausreichen sollte. Auch der Tipp mit den Taschentüchern erwies sich als Hilfreich, ohne hier näher ins Detail gehen zu wollen.

Um 17:40 Uhr war ich am Pico de las Nieves angekommen. Die Beine waren müde, von ganzheitlicher Erschöpfung konnte aber nicht die Rede sein. Im Gegenteil. Ich fühlte mich entspannt und ausgeglichen. Von Müdigkeit keine Spur. Lediglich die Waden signalisierten, dass es ihnen zunehmend anstrengender wurde. Im Nachhinein schwärmte ich sogar von einer kompletten Inselquerung.

Dieser Tag war für mich eine ganz neue Erfahrung und hat die Abenteuerlust in mir ein wenig geweckt.

Ich habe meinen Lauf als Dokumentation verfilmt. Damit man nicht die ganze Zeit mein "Gelaber" hören muss, habe ich in einigen Passagen tolle Musiktitel eingeblendet. Leider macht mir aber dies aus urheberrechtlichen Gründen unmöglich das Video zu veröffentlichen. Für Privatvorführungen bin ich bei Interesse gerne zu haben. Länge des Videos: ca. 22 Minuten.

Damit Ihr aber nicht völlig leer ausgeht, habe ich hier ein paar Bilder für Euch:

Die geplante Route - Klicken um sie bei GPSies zu sehen


Start in Maspalomas um 7:40 Uhr




Staumauer - hier war erstmal Schluss



Der Weg in den Himmel - einfach genial



ca. bei KM 43 - luftige Höhen, man muss zunehmend trittsicher sein. 

Die letzen Meter - dichter Nebel und es wird minütlich kälter



Zieleinlauf um 17:40 Uhr - Katrin wartete bereits mit dem Auto und machte das "Zielfoto"


4 Kommentare:

Jens hat gesagt…

Sehr cooler Bericht! Bin supergespannt auf das Video...

flo hat gesagt…

und du hast ja noch die route auf facebook gepostet. die staumauer hatte ich so nicht im kopf. vielleicht, weil ich immer oben über fataga fahre. schäm...

btw: respekt!

Heiko Thoms hat gesagt…

Hey Flo, schön von Dir zu lesen :-)
Ja, die Staumauer hat mich schon ganz schön überrascht. Bei Openstreetmap ist hier sogar ein Weg (Treppe) eingezeichnet. Der Zustand der Treppe war aber nicht gerade gut. Ich kann nicht empfehlen, den Aufstieg zu wagen. Und für Mountainbiker wäre das wohl eh nichts.
Die beiden Kläffer, von denen Du erzählt hast, habe ich auch getroffen. Du meintest sicher die Finch zwichen dem Staudamm und Maspalomas? Die tun wahrscheinlich nichts, ich bin trotzdem eher vorsichtig an denen vorbei gegangen.

Flo hat gesagt…

Ja, die Finca meinte ich! Die ersten male bin ich da auch noch erschrocken...
Jetzt fällts mir ein, ich dachte ja noch: Wieso bin ich denn eigentlich noch nicht so weit westlich gefahren? sondern immer gleich oben über Fataga? Vielleicht sollte ich auch mal Heikos Route antesten.
Okay, ich lass das jetzt :)
Viel Erfolg bei den 4Trails!

Läuferweisheit

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