Dienstag, 17. April 2012

Wien Marathon 2012 - I did it :-)



Welcher Hobbyläufer träumt denn nicht, sofern er Marathonambitionen hat, von einer Zeit unter 3 Stunden? Für mich wurde am 15.04.2012 dieser Traum wahr.



Bei idealen Wetterbedingungen mit Temperaturen um die 10 Grad und bewölkt, aber meist trocken, startete der 29. Vienna City Marathon pünktlich um 9 Uhr. Über 8.600 Läuferinnen und Läufer wagten sich auf die Gesamtstrecke, noch viel mehr liefen den Halbmarathon oder den Staffelmarathon, so dass insgesamt über 36.000 Athleten das Pflaster von Wien betraten.

Als besonderes Highlight wurde das Thema "Catch me if you can" vom letzten Jahr neu aufgesetzt. Lauf-Legende Haile Gebrselassie startete auf der Halbmarathondistanz etwa 8 Minuten nach der amtierenden Marathon-Weldrekordlerin Paula Radcliffe und versuchte vor ihr im Ziel zu sein - was ihm mit einer Zielzeit von nur 60 Minuten gelang.
Paula Radcliffe, hier noch vor Haile Gebrselassie...


... der ihr aber schon dicht auf den Spuren war. Ein spannendes Rennen

Für mich persönlich ging es bei diesem Lauf um eine ganze Menge. Ich habe seit etwa einem Jahr die 3 Stundenmarke ins Visier genommen. Bei meinem ersten Versuch beim Münster Marathon im September 2011 scheiterte ich jedoch. Ich gab mich der Erschöpfung hin und brach das bis Kilometer 25 planmäßig hohe Tempo ab. Den Lauf habe ich mit schweren Beinen nach 3 Stunden und 7 Minuten beendet.

Am vergangenen Sonntag sollte alles anders werden. Das Training wurde in diesem Jahr abermals verschärft. Bis zu 125 Wochenkilometer wurden gelaufen. Die Intervalle wurden bis zur Schmerzgrenze durchgezogen. Bis auf eine einwöchige Verletzungspause lies ich in den letzten 12 Wochen kein einziges Training ausfallen. Jede Trainingseinheit, erschien sie mir auch noch so hart, wurde durchgezogen. Mit Erfolg.

Nein, der Lauf war nicht leicht. Ich habe ihn auch nicht genossen. Schon bei KM 10 war mir klar, das Tempo wird nicht leicht zu halten sein. Und dabei habe ich mich auf den ersten 15 Kilometern erst noch zurückgehalten um den Stoffwechsel optimal anlaufen zu lassen. Erst dann, ab Kilometer 15, sollte es richtig zur Sache gehen. Und so sollte es auch sein. Erstaunlicherweise war es ohne (noch) größere Anstrengung möglich, ab KM 15 ein höheres Tempo zu laufen. Zwischen KM 21und 22 riskierte ich einen Blick auf meine Uhr um festzustellen, dass ich scheinbar etwa eine Minute zu langsam war. Allerdings habe ich die Halbmarathon-Markierung nicht gesehen, so dass ich der Meinung war, ich hätte den Halbmarathon in 1:31:30 Std. vollendet. Es sollte also spannend werden.

Es galt wertvolle Sekunden je KM gut zu machen. Mit jedem fortschreitenden Kilometer vielen mir die Schritte immer schwerer. Ab KM 38 wollten die Beine, sie taten schon lange weh, nicht mehr so richtig reagieren. Ich war auf. Jeder Schritt schmerzte und ich überlegte ernsthaft auszusteigen.
Jetzt kommt der Moment, wofür ich meinen Freunden und Kritikern dankbar bin. Die Einen gaben mir Mut, wenn ich am zweifeln war, das Ziel zu erreichen, Die Anderen, die Skeptiker, waren dafür gut, ein "Feindbild" abzugeben. Da war also Jemand, dem ich es zeigen wollte. Die ganze Arbeit, die vielen Entbehrungen, die Schmerzen. Alles umsonst? Das alles sollte ich in dem Moment über den Haufen werfen, in dem ich das Tempo abreißen lasse? "Nein! Es ist möglich! Du willst es unbedingt, was danach kommt, ist absolut egal!", animierte ich mich. Mein Gefühlskarussel und das Pochen, Stechen und Zerren in den Beinen musste einfach überwunden werden, wenn nicht alles umsonst gewesen sein sollte. Aufgeben kam also nicht in Frage.

Geholfen hat mir auch die mentale Vorbereitung auf den "Wett-Kampf". Ich habe mir in den Tagen vorher die Szenen vorgestellt, an denen es wehtut. Ich habe mir vorgestellt, dem Schmerz zu trotzen, das Ziel vor Augen zu haben. Ich habe mir immer wieder die Bilder durch den Kopf gehen lassen, wie ich konzentriert einen sauberen Laufstil durchhalte, gerade in den schweren letzten Kilometern. Ich habe mir vorgestellt, wie stolz ich auf mich bin, wenn ich das hier durchstehe. Ich habe trainiert, alles um mich herum auszublenden und keine Schmerzen zu fühlen. Also auch der Kopf war fit.

Das Ergebnis kennt Ihr ja, 2:57:06. Die zweite Hälfte bin ich sogar schneller gelaufen, als die Erste. So schnell, dass ich meine persönliche Halbmarathonbestzeit gelaufen bin. Wohlgemerkt: in der zweiten Marathonhälfte :-). Ich kann zwar heute, zwei Tage nach dem Lauf, noch immer kaum die Treppen runter gehen... Der Schmerz wird in weiteren 2 Tagen vergessen sein. Der Stolz bleibt aber.



Mit meiner Garmin Forerunner 305 GPS-Uhr aufgezeichneten Werte:
Die Split-Zeiten weichen geringfügig von den offiziellen Messungen ab. Das liegt zum Einen an einer geringen Ungenauigkeit der GPS-Technik, zum Anderen an dem ständigen Ausweichen wegen der vielen Hundert Läufer, die sich unzulässiger Weise in den roten Startblock (Läufer unter 3 Stunden) einsortiert haben. Und die waren teilweise extrem langsam, was mich sehr geärgert hat.




Pasta-Party im Wiener Rathaus - vor dem Lauf
Die Treppen am Tag danach. Warum ist denn nie ein Fahrstuhl da, wenn man ihn braucht?




Feierlaune nach dem Lauf


3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

ein sehr schöner und realitätsnaher Bericht lieber Heiko..
ich hoffe ich habe am 29ten in Düsseldorf genau so viel Biss wie Du aber OHNE Schmerzen ;-)))

lg
Tina

SilberLäufer hat gesagt…

Heiko, da kommt Gäsehautfeeling auf, wenn man deinen Bericht liest. Die erste Hälfte gut, die zweite sensatonell. Die Belohnung - Marathonbestzeit!
Da kannst du aber mächtig stolz sein!
Herzliche GRATULATION - Reinhard

Stefanie hat gesagt…

Hey, tolle Seite. Ich habe auch mit dem Laufen angefangen um ein paar Kilo abzunehmen. Ich habe meinen Ernährungsplan
umgestellt und mache regelmäßig Fitness. Die ersten 5 Kilo sind weg. Laufen ist einfach ein toller Sport.

Läuferweisheit

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