Sonntag, 11. Dezember 2011

Marco Losch Soulrunner´s Hagen Hills Ultra Trail am 4.12.2011


Alles fing vor einigen Monaten an. Marco aka Soulrunner hatte die Idee ein Treffen für die Ultra-Familie, wie er sie nennt, zu organisieren. Ein Treffen für Läufer aus Österreich und der Schweiz, die sich auf den schönen Trails der Welt kennengelernt haben. Viele von ihnen sind früher Marathon gelaufen, haben dann aber die Jagd nach Zeiten auf der Straße aufgegeben und sich in die Natur zurückgezogen. Hier durchlaufen Sie Strecken "ab Marathon". Viele haben bereits mehrtägige Etappenläufe hinter sich oder Ein-Etappenläufe von über 100 KM.
Facebook macht es möglich. Ich hätte nie gedacht, dass ich noch einmal einem sozialen Netzwerk verfalle. Aber gehört man einer Interessengemeinschaft an, bei mir ist es der Laufsport, zur Zeit schwerpunktmäßig Marathon, hat sich Facebook als hervorragendes Medium beweisen können. 
Jeder kennt irgendjemanden mit gleichen Interessen. Der kennt wiederum jemand anderes. Und so kommt es, dass man plötzlich mit ganz anderen Leuten in Kontakt kommt, etwa weil man über den Kontakt des Bekannten die Fotos und Kommentare seiner Bekannten sehen kann. Gefällt einem, was man sieht, klickt man "gefällt mir" an oder hinterlässt einen Kommentar. Daraus ergeben sich teils recht interessante Einblicke in das Leben der Anderen. Was jetzt noch fehlt, ist der persönliche Kontakt. Ich möchte gerne wissen, wer genau hinter dieser oder jener "Figur" steckt. Da bleibt ein persönliches Gespräch doch nicht aus. Und so wie mir, geht es auch anderen. Genau diesem Zweck begegneten nun die Hagen-Hills. Es war unglaublich. Ich durfte so viele interessante Menschen kennenlernen, von denen ich bisher nur gelesen oder Bilder gesehen habe und mir so oft dachte "wow". 

4.12.2011, Hagen Hills
Wir trafen uns um 7:30 Uhr morgens in einem Sportheim in Hagen. Als ich den Parkplatz um kurz nach 7 Uhr morgens in den Hagener Bergen erreichte, kamen mir ein paar Lichter entgegen. Stirnlampen - es war noch dunkel. Kein Zweifel, hier war ich richtig. Marco hatte ein Sportheim klargemacht, wo wir die Gelegenheit zum Umziehen, Duschen und gemeinsamen Grillen und Feiern hatten. Danke hierfür, denn in der Blockhütte im Kanadischen Stil kam echtes Hüttenfieber auf.
Ein Kaffee war noch drin. Auch wurden gratis Energieriegel verteilt. Alles war sehr familiär.
Meine Stirnlampe lies ich gleich im Auto. Und tatsächlich, wir waren gerade einmal 10 Minuten unterwegs, da wurde es auch schon hell. Sofort kam ich mit Janina ins Gespräch. Das ist so eine Facebook Bekanntschaft, mit der man sich schon oft geschrieben, aber noch nie ein Wort gewechselt hat. Interessant war, mir kam es vor, als kannte ich Janina schon sehr lange. Sachen gibt´s. Jens, mein Vereinskamerad, hat Janina in diesem Jahr bei einem Trail-Camp in den Dolomiten kennengelernt und beide starten anschließend beim Trans-Alpin-Run, einem 8-tägigen Etappenlauf über die Alpen. Bei den ganzen Berichten und Fotos mit denen uns Jens in schöner Regelmäßigkeit versorgte, blieb mir diese sehr nette Persönlichkeit nicht lange verborgen ;-). Auf MotivatedByNature.eu kann man diese Berichte heute noch nachverfolgen. 
Das Ziel des heuten Tages war ein gemeinsamer langer Lauf mit anschließenden Grillen um uns besser kennen zu lernen. Aus diesem Grund wurde auch in einer großen Gruppe (über 30 Läufer) gelaufen. Das gelaufene Tempo lag wohl bei etwa 6:30 Min/km. Daneben wurden reichlich Pausen gemacht um die Gruppe zusammen zu halten. Ja auch bei diesem Tempo reißt die Gruppe schnell auseinander. Bergauf wurde nur gegangen. Eine Belastung für mein Herz-Kreislaufsystem war somit während des gesamten Laufen nicht wirklich zu spüren. 
Wahnsinn, wir sind gerade mal 50 KM von zuhause weg und ich komme mir vor wie im Urlaub. Marco hat eine wirklich schöne Strecke herausgesucht. Bergrauf, Bergrunter und auf dem Kamm wie in den Schlamm. Auf dem Kamm der Berge bot sich stets eine fantastische Aussicht. Straßenlärm? Fehlanzeige. Natur so weit das Auge reichte. Unterhalb der Bergkuppen tat sich dichter Wald auf und tolle "Single-Trails". Die Natur und die Gesellschaft entschädigte auch für das immer kälter werdende Wetter, den zunehmenden Wind und den Nieselregen. Was wäre Trailrunning ohne Matsche? Auch davon sollte es noch genug geben. Genug jedenfalls, dass mein Schuh darin steckenblieb, während ich in einer schnellen Passage schon ein paar Meter weiter war :-)
KM 20. Marco fragte, wer nach der halben Strecke aussteigen wolle. In etwa 3 KM würden sich die Wege teilen. Ich zögerte etwas. Schließlich hatte ich die letzte Woche wegen Knieproblemen nicht laufen können und hatte nun etwas Sorgen. Das langsame Tempo schien meinem Knie jedoch gut zu tun und auch Jens motivierte mich zum Weiterlaufen. Nur die Ansage "die nächsten 30 KM werden härter. Ein Aussteigen ist ab jetzt nicht mehr möglich - wir sind im tiefen Wald" machte mir etwas Sorgen. Ich entschied mich mit etwas flauem Gefühl im Bauch für´s Weiterlaufen. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Im weiteren Verlauf stellten sich keine Probleme ein. Nur der Stolz, heute meinen ersten "Ultra" (Läufe, länger als Marathon), zu laufen, wuchs mit jedem Kilometer.
Bei KM 30 machten wir einen Stop. Hier erwartete uns ein Auto mit heißem Tee und Bananen. Warmer Tee. Wie gut das tat. So spürte man auch die Finger wieder. Auch stilles Mineralwasser zum Nachfüllen des Trinkrucksacks stand bereit. Aus meinem Trinkrucksack fehlten erstaunlicher Weise lediglich 0,5 Liter. Und gegessen hatte ich bis jetzt nur einen halben Energieriegel. Eine Banane kam jetzt noch dazu.
15 Kilometer hatten wir nun noch vor uns. Anders als bei einem Marathon, wo es ab KM 30 immer schwieriger wird und man dem Ende entgegensieht, hatte ich hier eher das Gefühl "Schade, gleich sind wir da". Ich fing an zu verstehen, was der Reiz an einem Ultra-Lauf ist - wenn man ihn nicht wettkampfmäßig läuft. Eine neue Welt tat sich mir auf und ich wusste sofort, diese würde nicht mein letzter Ultra-Lauf bleiben. Mal sehen was die nächsten Jahre bringen.

Nach 7 Stunden, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, erreichten wir das Sportheim. Da nur eine Dusche zur Verfügung stand, wurde "gemischt" geduscht, womit offensichtlich auch nur wenige ein Problem hatten (die konnten dann entweder ganz schnell vorweg, oder eben anschließend Duschen). Frisch geduscht sah ich, dass der Grill bereits an war. Lecker Würstchen und Steaks. Dazu Salate und Kuchen. Alkoholfreies Bier, Kaffee und Glühwein rundeten das Angebot ab. Marco hat an Alles gedacht und dabei das Preis-Leitungsverhältnis nicht aus den Augen gelassen. Prädikat *besonders Empfehlenswert*. 
Wir hatten noch viele interessante Gespräche und irgendwie war es schon etwas traurig, diese Gruppe doch auflösen zu müssen. Aber am nächsten Tag sollte der Alltag uns wiederhaben und nicht Jeder hatte einen so kurzen Heimweg wie ich. 
Als ich zuhause meinen Computer anmachte tummelten sich viel wieder bei Facebook. Der Beitrag von Guido, einer der Schweizer, traf es auf dem Punkt "Ich liege in meinem Hotelbett und die vielen Bilder, die in meinem Kopf auftauchen, gefallen mir".







Läuferweisheit

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