Dienstag, 26. April 2011

Wien Marathon 2011 - Von Kaisern, Königen und Legenden








Achtung, dieser Marathonbericht ist nichts für Lesefaule! Im Zweifel versuche nicht einmal die folgenden Zeilen zu lesen. Ich habe die Tastatur kräftig missbraucht und meine Finger haben jetzt eine Hornhaut. Aber für die Lesefaulen gibt es auch eine gute Nachricht: Ich habe einige dieser bunten Abbildungen, nennen wir sie Fotos, zwischen den Zeilen versteckt. Zu Ostern ist das doch eine tolle Idee, oder? Viel Spaß beim Lesen!

Ein Marathonwochenende heißt Marathonwochenende, weil es nicht nur um den einen Tag geht, sondern um ein ganzes Wochenende. In diesem Fall um ein langes Wochenende, von Donnerstag bis Montag.

Donnerstag, 14.04.2011 - Anreise
Es ist Donnerstagmorgen, 7:45 Uhr. Aufstehen, einen kurzen 7km Steigerungslauf gemacht und Brötchen mitgebracht. Heute geht der Flieger nach Wien. Ich habe mir freigenommen um den Tag möglichst stressfrei zu gestalten.
Gegen 10 Uhr habe ich dann von Katrin per SMS erfahren, dass die Lokführer mal wieder streiken. Puh, die Deutsche Bahn ist nicht betroffen. Mein Zug fährt also. Um 13:30 Uhr zum Bahnhof Dortmund Mengede gehechtet, die Bahn ist pünktlich. Den Anschluss in Duisburg verpasse ich nur knapp, weil mein Zug irgendwo auf der Strecke 6 Minuten verloren hat. Ich habe das gar nicht bemerkt. Vielleicht findet die ein nachfolgender Zug ja wieder und fährt zu früh ein.
Im Flieger habe ich genug Zeit mein Ziel noch einmal zu überdenken. 3:07 Std. ist meine erklärte Zielzeit, so poste ich es bei Facebook, worauf mir viele Laufkollegen die Daumen drücken.

Marathon Taktik ala "Greif"

Tatsächlich gelaufene Zwischenzeiten


Der Skytrain am Düsseldorfer Flughafen fährt nicht. Es muss auf den Sonderbus ausgewichen werden. Da ist er. Viele Leute steigen aus, aber der Fahrer will keinen mitnehmen. Auf bitten tut er es dann doch, lässt mich aber an einer "zentralen Stelle" raus, da er einen "Sondereinsatz" fahren muss.
Ab dann läuft alles nach Plan. Die Lufthansa spart nicht mehr so sehr wie die letzten Jahre und ich bekomme meinen Kaffee dieses Mal gratis zu einer Mini-Portion Nudeln.
Am Flughafen holt mich mein Lauffreund Ralf ab. Wir kennen uns seit der Jugend. Vor ein paar Jahren ist er aus beruflichen Gründen nach Wien gezogen. Seit dem sehen wir uns meistens nur noch einmal im Jahr beim Wien Marathon. Eigentlich ist er es, der mich zum Laufen inspiriert hat. Heute laufe ich für ihn mit. Aber "im nächsten Jahr laufe ich wieder den Halben", gibt er an. Ich werde ihn erinnern!
Ich trainiere nach Trainingsplan. Es gibt andere Meinungen, aber ich glaube, dass ein Plan nur dann funktioniert, wenn man sich daran hält. Und auf meinem Plan steht für heute "Wiener Schnitzel". Mensch, habe ich mich darauf gefreut, ein ganzes Jahr! Endlich wieder ins "Hinterholz" und das XXL Schnitzel bestellt. Dazu gibt es Kartoffeln. Gekocht, nicht gebraten oder frittiert. Für extra Kalorien sorgen 2 große Bier.

Freitag, 15.04.2011 - Marathonmesse
Den Freitag verbrachten wir fast vollständig auf der Marathonmesse. Des Marathon-Manns Idol "Haile Gebrselassie startet beim Wien Marathon auf der Halbdistanz. Mit "Catch him if you can!" verfolgt der Veranstalter ein interessantes Konzept. Haile startet 2 Minuten nach der Marathonspitze um diese nach ca. 15 KM einzuholen. So darf auch Haile endlich mal jemand hinterherlaufen. Haile gefällt’s offensichtlich.
Nach einem ausführlichen Interview und Dankesreden für sein Kommen ergattere ich mir ein Autogram. Ja, ich gebe es zu: Ich bewundere ihn schon ein wenig. Wer den Langstreckenlauf wie ich intensiv betreibt, der muss die unglaublichen Leistungen des freundlichen Ethopiers einfach wertschätzen. Am späten Nachmittag erzählt dann noch der mir inzwischen gut bekannte Christian Schiester von seinem 4-Wüsten Ultra-Marathonerlebnis aus 2010.




Die Zeit auf der Messe nutze ich um reihenweise Probierhäppchen und Energie Drinks zu verputzen. Mein Interesse steht aber ganz im Zeichen des Barfußlaufs und so klappere ich die Stände von Nike und Adidas ab um dort von den Lauf-Socken von "Leguano" zu schwärmen, die ich zum Testen auf dem gesamten Marathongelände tragen darf. Diese Leguanos vermitteln wirklich das beste Barfußgefühl aller Schuhe (oder Socken), haben aber gleichzeitig eine sichere Sohle, die vor Verletzungen schützt. Preislich würde ich das Produkt aber anders einstufen, als der Hersteller (UVP 75 Euro).

Am Leguano Verkaufsstand


Am Abend suchen wir ein nettes Restaurant auf. Da die Speisekarte recht mager ausfällt, entscheide ich mich spontan erneut für ein Wiener Schnitzel. Insgeheim habe ich jetzt ein schlechtes Gewissen. So war das nicht geplant. Überwiegend Kohlenhydrate sind in den letzten 3 Tagen vor dem Marathon sinnvoll... Hmmm lecker.

Samstag, 16.04.2011 - Kaiserschmarrenparty
Wir stehen gegen 9 Uhr auf. Obwohl ich seit gestern mehrfach glaubhaft versichere, dass es nicht nötig sei und ich auch durch die engen, befahrenen Gassen laufen kann, fährt Ralf mich in den Donaupark, damit ich meine 5 KM auf flachem Gelände laufen kann. Nach 4, 5 Steigerungsläufen ist dann auch dieses Training abgeschlossen. Die Beine wurden für morgen noch einmal wachgerüttelt.
Zurück am Quartier frühstücken wir ganz in Ruhe und ausgiebig, bevor wir in der Stadt ein paar Besorgungen machen und uns dann in den Festsaal des Wiener Rathauses begeben um uns mit köstlichem Kaiserschmarren zu stärken.
Der Tag endet recht unspektakulär mir einem schlechten Film, den Ralf "On-Demand" für 3,99 Euro startet um ihn kurz darauf wieder abzuschalten, einer doppelten Portion Nudeln und einer Flasche Rotwein. Das Fernsehprogramm zeigt leichte Kost "Deutschland sucht den Superstar".

Sonntag, 17.04.2011 - Marathontag
Gitarren- und Sirenenlärm. Kein durchgeknallter Musiker, sondern der Alarm unserer modernen Smartphones weckte uns. Kaum zu glauben, Ralf ist sogar eher auf als ich. 6 Uhr verrät der Blick zur Zeitmaschine. Zeit zum Aufstehen. Die zwei hellen Brötchen und der Kaffee sollen spätestens um 7 Uhr verputzt sein.
Ralf hat gestern schon einen Anreiseplan entworfen. Und überhaupt ist er recht gut vorbereitet. Auf einem Streckenplan hat er die Punkte 1-8 markiert, an denen er stehen möchte um mich anzufeuern. Neben den Punkten schreibt er die Durchgangszeit, die ich ihm vorhersage. "+- 2 Minuten", prophezeie ich.


7:30 Uhr. Ralf nervt schon. "Los, los, los!" bölkt er. "Was ist los mit Dir? Ich wusste gar nicht, dass Du so eine Schlafmütze bist". Das sagt der Richtige, der schlechtgelaunt vom Brötchenholen kommt, nur weil ihn die Leute auf der Straße "so früh einfach nerven".
Wir verlassen unverzüglich die Wohnung und fahren mit Straßen- und U-Bahnen sicher und zeitgerecht in den Startbereich.
Ja, das Wetter meint es heute gut mit uns. Zu warm, zu kalt, zu nass - alles hätte heute sein können. Aber der Wettergott schickte uns einen blauen Himmel bei maximal 16 Grad und Windstille. "Kaiserwetter" wie es aus den motivierten Lautsprechern dröhnt.

8:30 Uhr. Wir haben noch knapp 30 Minuten bis zum Start. Von Hektik ist nichts zu merken. Das gilt jedenfalls für mich. Ralf wird minütlich nervöser. Also tue ich ihm den Gefallen und gebe endlich den Kleiderbeutel ab. Raus aus den warmen Klamotten und etwas warmlaufen.

8:53 Uhr. Ralf hatte recht. Etwas Nervosität wäre nicht schlecht. Denn mir fällt nur gute fünf Minuten vor dem Start ein, dass ich im ersten Block "rot" starte. Das bedeutet, an ca. 27.000 ebenfalls nervösen Sportlern vorbei zu müssen. Beliebt mache ich mich dabei nicht, denn viel Rücksicht kann ich bei meinem Versuch nach vorne durchzudringen nicht nehmen und remple dabei den Einen oder Anderen an. "Sorry", "Tut mir Leid", "... darf ich mal...?".

8:58 Uhr. Während der Mann am Mikrofon droht alle Läufer, die nicht auf ihren Plätzen sind, zu disqualifizieren, habe ich noch etwa 50 Meter vor mir. Mist, die Absperrung ist hier so hoch, ich komme nicht in den Block. Mir bleibt nur eins: Vorbei an der Spitze und von vorne in der ersten Reihe einordnen. Der rote Punkt auf meiner Nummer erlaubt mir dies ja grundsätzlich. Ja, ja, grundsätzlich. Die bösen Blicke von dem Läufer neben mir sprechen allerdings eine andere Sprache, oder ist das nur die allgemeine Anspannung?

9:00 Uhr. Peng! Der Schuss fällt, keine Zeit also weiter darüber zu philosophieren. Ach, das gilt nicht uns? Die Eliteläufer laufen davon.
Dann dürfen wir die 20 Meter bis zum Star aufrücken. Ich lasse mich dabei ein paar Reihen nach hinten fallen. Aber ehe ich Zeit habe mich zu sortieren, ertönt auch schon der nächste Knall und um mir traben sie los - und ich mit.
Zu meinem Erstaunen stelle ich fest, dass ich hier vorne gar nicht mal so falsch stehe. Ich halte das Tempo erstaunlich gut mit, auch wenn mich einige hundert Läufer auf den nächsten Kilometern überholen. "Euch hole ich mir nachher", sage ich mir und halte an meiner zuvor festgelegten Marathontaktik fest: Die ersten 15 KM im Schnitt von 4:29 Min/KM, danach das Tempo anziehen so weit es die Tagesform zulässt und ab KM 25 wieder leicht rausnehmen auf ca. 4:25 Min/KM.
Der Lauf führt von der Dauauinsel über die große Brücke in die Wiener City. Ein unglaubliches Bild. Noch imposanter wirkt es wohl aus der Vogelperspektive, wie die Fotos des Veranstalters aus dem Vorjahr zeigen.

Beim Messebesuch vor einer Fotoleinwand
Kaum warmgelaufen, steht Ralf bereits das erste Mal an der Strecke und hält ein Schild "Run: Heiko" hoch. Ich winke nur kurz rüber, denn er steht auf der anderen Straßenseite. Eine Viertelstunde später klatsche ich ihn mit einem "High-Five" ab. 27.000 Läufer sollen insgesamt gestartet sein und trotzdem sollte Ralf mich an insgesamt acht Punkten angefeuert haben. Später verriet er mir, dass das Besuchen der Punkte für ihn eine schöne, aber sportliche Leistung gewesen sei.


Perfekt organisiert - mit diesem Plan traf Ralf mich gleich 8 mal auf der Strecke

KM 15 Handbremse los
Wollen die Beine nun, oder nicht. Ist der Lauf anstrengend, oder nicht? Wie ist die heutige Tagesform einzuschätzen? Auf den ersten 5 KM hatte ich einen Durchschnittspuls von 168 Schlägen/Min. Zwischen KM 10 und 15 waren es bei gleichem, oder leicht erhöhtem Tempo sogar nur 164 Schläge. Das macht einen Puffer von nur 4 Schlägen/Min bis zu meiner anaeroben Schwelle. Ich beschließe also nichts zu erzwingen, dränge mich aber auch nicht zum "langsam Laufen" und lasse die Beine machen. Und sie machen es gut. Auf den nächsten 5 KM laufe ich schon ein Tempo von 4:12 Min/KM, die darauffolgenden 5 KM dann 4:08 Min/KM. Und das bei gleichbleibendem Puls! Wahnsinn. Schon jetzt dürfte ich die Hälfte der Kameraden eingeholt haben, die anfangs einen auf Tempo machten.

Alle 2,5 KM nehme ich abwechselnd ca. 100 ml Wasser oder ISO zu mir. Mein Körper verträgt diese Kombination gut. Von Bananen lasse ich seit langem die Finger. Die belasten den Magen im Wettkampf mehr, als dass sie nützen. Bei KM 30 gönne ich mir einen von zwei Power-Bar Kohlenhydrat-Gels, die ich von Zuhause mitgebracht habe. "Noch 200 Meter bis zum Wasser" steht sinngemäß auf einem Schild. Das ist wichtig, denn der Körper kann die Gels nur in Verbindung mit Wasser verarbeiten. Ausgerechnet jetzt drängen sich einige Läufer an den Wasserständen und bleiben mit dem Becher in der Hand stehen! Unglaublich. Das passiert bei 4 Stundenläufern, aber hier vorne? Unmöglich für mich im Laufschritt einen Becher zu erhaschen. Irgendwie gelingt es mir dann doch, aber bei der Aktion verschütte ich das Meiste und erlange höchstens noch 50 ml des ersehnten und jetzt gerade dringend benötigten H2o. Die nächsten 12 Minuten lief ich zwangsläufig mit einem süßlich verklebten Mund und leichtem Durst. "Das war´s dann wohl" erinnerte ich mich an den Münster Marathon 2008, als ich einen Getränkestand verpasste und so die Kohlenhydrate ebenfalls nicht verarbeiten konnte. "Nix, da! Vorbei ist es erst, wenn es vorbei ist", motiviere ich mich. Und ehe ich mich versehe ist da auch schon der nächste Verpflegungsstand, an dem ich jetzt bewusst etwas mehr Wasser (etwa 200-250 ml) zu mir nehme. "Nur noch 12 km" motiviere ich mich. Kurz in mich hineingehört: "Alles gut". Was sagt die Uhr? Weit unter meinem Ziel. Alles sieht perfekt aus. Ich kann etwas Tempo rausnehmen um mich für die letzten Kilometer zu schonen. Ein Leistungseinbruch aufgrund zu hohen Tempos wäre das Einzige, was meinen Sieg über mich selbst jetzt noch gefährden könnte. Warum sollte ich das Riskieren? Meine Gedanken kreisen: "3:07 Std. waren angesagt, und die werde ich erreichen. Das nächste Ziel wird 3:00 Std. sein und die kann ich heute nicht mehr erreichen - oder doch?. Mit falschem Ehrgeiz kann ich nur noch verlieren. Sei vernünftig!".
Es sollte die (Achtung Jens, das ist Dein Part ;-) "Stimme der Vernunft" sein, die mich in einem Tempo weiterlaufen lässt, dass ich bis zum Schluss durchhalten kann. Und das ist immer noch schneller als mein Tempo auf den ersten 15 Kilometern!

So ca. bei KM 10, ich bin in Hochform!

Ralf erwischt mich an einem für mich strategisch ungünstigen Punkt. Kilometer 36. Ich rechne nicht mit ihm. Seinen Plan habe ich längst verdrängt, jetzt gilt die gesamte Aufmerksamkeit dem Laufen. Und es geht bergauf. "Die letzte Steigung - Ihr seid gleich da!" dröhnt es von der Straße. Und da stand er, der Ralf. Am Ende der Steigung mit einem Leberkäse in der Hand und rief mir irgendetwas zu. Ich sparte mir jegliche Bewegung, die nicht dem Laufen dient. Lediglich mit einem leichten Nicken und einee flachen Handbewegung erwidere ich seine Ermunterung. "Noch 6 - Kinderspiel - Du fühlst Dich gut!" sage ich mir. Und ich glaubte mir.

Im Ruhigen Gewissen nicht mehr auf Tempo laufen zu müssen laufe ich bewusst locker weiter und versuche auf sämtliche Regeln zu achten, die ich meinen Lauffreunden donnerstags immer predige: langsam Atmen, lockere Armhaltung im rechten Winkel, Läuferdreieick, hinten langer Schritt, vorne kurz, auf die Körperstreckung achten, Blick geradeaus. Was ist der Effekt? Ich werde gar nicht langsamer, obwohl es sich so anfühlt! Das verrät mir meine GPS Uhr.
Die letzten 2 Kilometer werden allerdings dann härter als erwartet. Ohne den Druck jetzt noch "etwas reißen" zu müssen, laufe ich aber auch diese relativ entspannt. Zwar ist sind diese Kilometer physisch anstrengender als die vorherigen, mental bin ich aber topfit und weiß ja, das Ziel ist nicht mehr weit.

Marathonstimmung am Heldenplatz (Wien-Marathon 2010)
KM 42. Ich biege rechts in den Heldenplatz ab. Ein roter Teppich führt mich direkt in Richtung Ziel. Neben mir scheppert es. Ich sehe noch wie jemand böse über eine Absperrung fällt. Aua. Wollte der Faxen machen und darüber springen? Die Anzeige zeigt 3:06:28. "Wenn Du jetzt Gas gibst, schaffst Du es sogar unter 3:07 Stunden!" motiviere ich mich und erhöhe das Tempo. "Verdammt viel Strecke für so wenig Zeit" ärgere ich mich und erhöhe das Tempo so weit ich noch kann um mich bei 3:06:59 übers Ziel zu jagen. Hinter der Ziellinie gratuliere ich einem Läufer zu seinen super 3:05 Stunden. Ihm geht es nicht gut, also bleibe ich noch etwas bei ihm. 3:05 sind super! dachte ich mir, aber 3:06:59 auch. Erst zuhause erfahre ich, dass ich selbst eine Nettozeit von 3:04:48 gelaufen bin. Richtig: Eine super Zeit.

Mit 3:04:48 gelang mir der Sieg über mich selbst! 

Ralf und ich feiern noch lange in der Sonne auf dem Heldenplatz bei ein paar Bierchen. Borussia spielt? Ab in die Sportsbar und bei guter Laune auch diesen Sieg noch mitgenommen bevor es zufrieden zur Pizzeria geht, wo wir uns das nötige Material holen um uns wieder zu stärken.

Erste Stärkung bevor es weiter zur Pizzeria ging


Montag, den 18.04.2011
Wir stehen überraschend früh, 9 Uhr, auf. Während ich dusche holt Ralf die Brötchen. Ich muss vorsichtig mit meinem rechten Bein sein. Das Knie fühlt sicht leicht gereizt an. Um Schäden zu vermeiden, werden sämtliche Bewegungen sehr bedacht ausgeführt. Der Muskelkater in den Oberschenkeln verrät, dass ich mich gestern nicht geschont habe. Über die Treppen komme ich mit Hilfe des Geländers eine halbe Etage tiefer bis zum Aufzug. Alles andere macht heute keinen Sinn. Ein tolles Gefühl! (das mag für Außenstehende komisch klingen).
Den Check-In beim Flughafen erledigen wir noch schnell vom PC aus. Mit dem Flugticket in der Hand, 16:40 Uhr ist Boarding-Time, haben wir genug Zeit für einen Ausflug. Ralf möchte unbedingt mal zum Neusiedler See. Dort angekommen müssen wir feststellen, dass nichts, aber auch gar nichts los ist. Eine spontane Bootstour kommt nicht in Frage. Der Bootsverleih hat geschlossen. Wir haben Durst - Fehlanzeige, hier wird renoviert.
Zu Fuß machen wir uns auf nach Rust. Hier werden wir von einem Schild aufgehalten "Weinsüppchen vom Ausbruch". Während wir noch sinnieren, was das sein könnte und wir uns zurück an jugendliche Partys erinnern... Stopp! Das reicht hier... kommt die Besitzerin aus dem Laden und kann gar nicht verstehen, was wir so komisch an diesem Namen finden. Also erklären wir es ihr vorsichtig "durch die Blume". Zur Wiedergutmachung probierten wir so einen "Ausgebrochenen" für 4,30 Euro je 0,05 Liter! Enttäuscht werden wir aber nicht. Der Ausgebrochene stellt sich als wahre Delikatesse heraus und wir erfahren, dass dieser Edelwein weltweit nur in vier Gebieten angebaut wird. Hier, am Neusiedler See, seien außerdem die besten Voraussetzungen von allen gegeben. Dies bestätigte ein Fachbuch, dass wir nun studieren sollten. So lernt man noch was über das Reifen, Trocknen und Edelpilzen. Der Name "Ausbruch" kommt daher, weil nur die besten Trauben herausgebrochen werden. Die Weinausbeute ist so sehr aufwändig und nicht gerade ergiebig. Etwas ganz besonderes eben. Auf dem Marktplatz genießen wir die Sonne noch eine Weile bei Kaffee und Kuchen, bis wir zum Flughafen fahren. Ralf lässt es sich nicht nehmen mich hinein zu begleiten, obwohl ich ihm versichere, dass ich den Weg alleine finde. Ein spitzen Gastgeber und Kumpel eben.

Wein vom Ausbruch, wir waren irritiert
Aber lecker war er, der "vom Ausbruch"
19:40 - Düsseldorf
Der "Sky-Train" transportiert mich fix zur Bahnhaltestelle "Flughafen". Ich bin gut in der Zeit. Gleich kommt die Regionalbahn, die mich direkt nach Dortmund-Mengede bringt. Gleich... "Sehr geehrte Fahrgäste! Der Regionalexpress auf Gleis 3 um 19:52 Uhr fällt aus. Wir bitten um Ihr Verständnis". Da war doch was - Bahnstreik. Mit meinem Smartphone in der Tasche suche ich alternative Verbindungen heraus. Es wurde ein mehrmaliges Umsteigen, ehe ich über Umwege endlich zuhause ankam. Mit ca. 2 Stunden Fahrzeit hatte ich doch nur eine Stunde Verspätung. Das lief besser als erwartet, stressfrei ist aber was anderes.
Erschöpft aber glücklich berichtete ich meiner Freundin von der tollen Atmosphäre in Wien, wie gut der Lauf "gelaufen" ist und welche Probleme es auf der Rückfahrt gab. Und dann die Beichte - Meine gesamte Laufausrüstung habe ich in Wien verloren. Vermutlich in der Sonne auf dem Heldenplatz. Irgendwo zwischen dem ersten und vierten Bierchen. Nicht ärgern, es ist nicht mehr zu ändern.
Ralf und ich haben uns schon wieder für das nächste Jahr verabredet - wenn das Training gut läuft und die Gesundheit mitspielt. Aber so wird es sein.

Der schönste Sieg ist der über sich selbst!


Läuferweisheit

Läuferweisheit