Samstag, 29. Januar 2011

Bewegungsanalyse

In diesem Beitrag analysiere ich den Bewegungsablauf von Profi-Langstreckenläufern. Dazu nutze ich Bilder, die ich beim Vienna City Marathon 2010 aufgenommen habe.
I.                    Die Abdruckphase
Nutzen wir die Bilder von der Gruppe um Günther Weidlinger, Österreichs schnellster Marathonläufer (2. von links). Die Gruppe passiert gerade Kilometer 11 in Höhe der Wiener Oper.
1.       Beim Abdruck wird das hintere Bein kräftig durchgesteckt.
2.       Der Fuß befindet sich dabei deutlich hinter dem Körperschwerpunkt.
3.       Das andere Bein wird aktiv mit kräftigem Kniehub nach vorne gehoben.
4.       Linkes Bein vorne = rechter Arm vorne und Umgekehrt (Kreuzbewegung)
5.       Der Oberkörper hat eine gute Körperspannung, die Wirbelsäule ist gerade.
6.       Durch die leicht! Nach vorne gerichtete Körperhaltung kann die Kraft aus dem Fußabdruck optimal genutzt werden. Falsch wäre eine ganz aufrechte oder sogar nach hinten fallende Körperhaltung.
7.       Wichtig ist die Körperspannung im gesamten Körper, sonst verpufft die Energie. Das gilt übrigens für alle Phasen der Laufbewegung!

Kräftiger Abdruck mit gestrecktem Bein

II.                  Landephase
Hier musste ich leider ein Bild einer anderen Gruppe einfügen, das die Landephase gut beschreibt. Einer Dieser Läufer wird an diesem Tag das Rennen gewinnen.
1.       Das vordere Bein ist fast vollständig gestreckt. Um die Stoßkräfte zu verringern ist eine leichte Beugung des Beins nur natürlich.
2.       Der Fuß setzt idealerweise erst unter dem Körperschwerpunkt vollständig auf. Setzt der Fuß zu weit vor dem Körperschwerpunkt auf, wirken große Stoßkräfte auf den Bewegungsapparat, was langfristig zu Verletzungen führen kann. Gleichzeitig würde der Vortrieb gebremst werden.
3.       Der Fußaufsatz erfolgt aktiv. Das heißt im Zeitpunkt des Fußaufsatzes befindet sich der Fuß bereits in der Rückführung. Jede weitere Fußbewegung in Laufrichtung wäre jetzt kontraproduktiv. Zur Veranschaulichung hilft es sich vorzustellen man ist wieder Kind und fährt einen Tretroller.

Landung mit dem Fuß etwa unterm Körperschwerpunkt



III.                Anfersen
1.       Die Ferse wird fast bis zum Gesäß hochgezogen
 2.       Das Standbein befindet sich etwa unter oder kurz hinter dem Körperschwerpunkt und ist zu dieser Zeit leicht gebeugt. Beim Abruck (siehe oben) wird es kräftig durchgestreckt.
3.       Die Arme befinden sich im rechten Winkel.

Anfersen

IV.                Die Armbewegung
Für die Analyse der Armbewegung nutzen wir dieses Bild von Anrea Meyr, der aktuellen österreichischen Marathonmeisterin, die sich gerade an Kilometer 11 vorbeikämpft.

1.       Eine saubere Armbewegung sorgt für ordentlich Schwung (besonders deutlich bei Sprintern und Hochspringern zu beobachten) und stabilisiert den Körper.
2.       Der Armwinkel ist spitz, idealerweise weniger als 90 Grad!
3.       Die Arme sind aktiv zu führen, denn die Armbewegung bestimmt die Schrittlänge, nicht umgekehrt.
4.       Oft ist bei Läufern zu beobachten, dass der Armwinkel beim zurückführen des Armes etwas geöffnet wird. Beim aktiven nach vorne holen wird der Winkel dann wieder spitzer.  Die Läuferinnen hier im Bild sind offenbar technisch sehr gut ausgebildet und noch sehr konzentriert bei der Sache. Bei Andrea Meyer ist deutlich zu beobachten, das beide Arme einen spitzen Winkel (kleiner 90 Grad) auffweisen. Das ist ideal, wird sich aber mit zunehmender Ermüdung ändern (siehe V. „Ermüdungserscheinungen“).
5.       Linkes Bein vorne, rechter Arm vorne (Kreuzbewegung).
6.       Die Hand bewegt sich beim nach vorne holen in Richtung Schultergelenk. Hierdurch wird ein wackeln des Oberkörpers vermieden, was Energie kostet.

Die Arme werden im spitzen Winkel gehalten (<90 Grad)


V.                  Ermüdungserscheinungen
Die Marathondistanz ist lang. 42,195 Kilometer um genau zu sein. Und wie kräfteraubend dieser lange weg ist, ist auch bei Profiläufern zu beobachten.
Die folgenden Bilder zeigen Andrea Meyr  im Zustand völliger Erschöpfung. Während es sie im Vorjahr noch den Streckenrekord erzielte, musste sie der Marathondistanz heute Tribut zollen. Die Pendelbewegungen deuten auf einen nicht mehr leistungsfähigen Lauf- und Stützapparat hin. Um dem Entgegenzuwirken ist neben dem eigentlichen Konditionstraining ein Koordinations und Krafttraining unabdingbar! Was man der lieben Frau Meyr zu Gute halten sollte ist, dass diese Bilder erst bei Kilometer 40 entstanden sind und sie als Profi ihrem Körper zu diesem Zeitpunkt sicher alles abverlangt hat, vielleicht sogar zuviel für diesen Tag.
Immerhin erreichte Andrea Meyr an diesem Tag nach nur 2:34:09 h als schnellste Österreicherin den 31. Gesamtplatz (Frauen). Schnellste Frau war an diesem Tag Hellen Kimutai (Ken) in einer Zeit von 2:31:08 h.
Andrea Meyr ist erschöpft bei KM 42: deutliche Pendelbewegungen

Die Körperspannung ist weg und es schleicht sich eine "sitzende" Haltung ein
Günther Weidlinger wurde mit einer Zeit von 2:14:05 h schnellster Österreicher und Gesamt  12. Gesamtsieger wurde der Kenianer Henry Sugut mit einer Zeit von 2:08:40 h.

Läuferweisheit

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