Sonntag, 25. Oktober 2009

6. Tui Marathon Palma de Mallorca

Palma, die Hauptstadt Mallorcas, ist eine einzigartige Stadt. Selten findet sich eine solche Symbiose mediterranem Flair, Kultur und Geschichte wie hier. Grund genug für mich den Inselmarathon zum zweiten Mal nach meiner Teilnahme in 2007 zu bestreiten.


Heiko Thoms mit Finisher-Shirt und Medaille

Sonntag, der 18. Oktober 2009 - Tag X!

Ausgerechnet heute Nacht mussten ein paar neue Hotelgäste bis nach 23 Uhr im Hotel „vorglühen“, ehe sie sich in El Arenals Nachtleben aufmachten. Entsprechend Unruhig war die Nacht. Obwohl ich bereits vor dem Wecker wach wurde, war ich nicht in der Lage mich vor seinem Gebell aus dem Bett zu bewegen. 5:45 Uhr morgens. Wie gerne würde ich jetzt die Türen knallen und die Musik laut aufdrehen. Wären da nicht die unschuldigen und wahrscheinlich ebenso genervten Rentner im Nachbarzimmer, ich hätte mir da schon was einfallen lassen!
Es nützt nichts. Aufstehen, Zähne putzen und den Kopf unter kaltes Wasser halten. "Zeit für Heldentaten!" motiviere ich mich selbst und bringe mich mit dieser gnadenlosen Übertreibung selbst zum schmunzeln. Mit der Wasserflasche aufs Bett gesetzt und vier der sechs mit Schokocreme gefüllten Milchbrötchen verputzt, die ich mir ein paar Tage zuvor speziell für diesen Morgen besorgt habe. Frühstück gibt es hier nämlich erst ab 8 Uhr. Kein Wunder, denn die meisten Gäste in El Arenal sind bestimmt keine Frühaufsteher.
Der Innenstadtbereich war bereits für den Verkehr gesperrt, als uns der Bus uns um 7:45 Uhr etwa 400 Meter vom Startbereich absetzte. Es war noch dunkel und im „Parc de la Mar“, der die, historische Kathedrale „La Seu“ von der mehrspurigen Hauptstraße Palmas trennt, herrschte bereits reges Treiben bei der Kleiderbeutelabgabe. So langsam wurde es auch Zeit zum Aufwärmen und Dehnen, denn 20 Minuten  vor dem Lauf sollten die Beine geschont werden.

8:50 Uhr, zehn Minuten vor dem Start, ein letztes mal aufs Dixi, dann schnell in den Startblock eingereiht. Es war inzwischen hell und von der Straße aus hatte man einen guten Blick auf die Kathedrale links und das Meer rechts. Sonne gab es keine und im Laufe des Vormittags sollten stellenweise sogar ein paar Regentropfen fallen. Katrin fand derweil einen Platz, von dem aus sie gute Startfotos schießen konnte. Ich winkte, aber sie suchte mich wohl zu weit hinten in der Menge. Dabei stand ich in dritter Reihe, kaum mehr als eine Armlänge hinter Jürgen Drews, der neben Micky Krause als Promi auf der Halbmarathondistanz startete.
„Startblock A“ stand zum ersten mal auf meiner orangenen Startnummer, direkt unter der großen „82“. Als ich mich im letzten Jahr als einer der ersten Läufer zum Marathon in Palma de Mallorca anmeldete (über 1.300 waren es schließlich auf der vollen Distanz), gab ich optimistisch eine Zielzeit von 3:07 Std. an. Anhand der angestrebten Zielzeit erfolgt schließlich die Einteilung in die Startblöcke.


Startschuß zum 6. Tui Marathon Palma de Mallorca um Punkt 9 Uhr

Der Startschuss fiel und nur 4 Sekunden später piepte beim Überlaufen der abendroten Matte das Signal der elektronischen Zeiterfassung auch für meinen gelben Plastikchip, der an meinem rechten, weiß-gelb-schwarzen Laufschuh am Schuhband befestigt war. Und dieses Mal hatte ich auch an die Doppelschleife gedacht.
Nach den ersten 10 Kilometern und erfolgreicher Hafenbesichtigung führte der Kurs in die romantische Altstadt Palmas. Das Feld hatte sich inzwischen entzerrt. Gut so, denn viel Platz boten die engen Gassen mit ihren scharfen Kurven nicht. Dafür aber ein ganz besonderes Flair! Der Kurs war recht verwinkelt. Ein Glück, dass das orangene Absperrband mit der schwarzen Aufschrift „Tui-Marathon Palma de Mallorca“ stets den richtigen Weg wies. Und zur Not hatte ich ja auch noch ein paar Läufer vor mir, denen ich nur wie ein Rudeltier zu folgen hatte.
Für Katrin hatten wir auf der Marathonmesse am Freitag einen Stadtplan mit eingezeichnetem Streckenverlauf besorgt. So konnten wir schon vor dem Lauf planen, wo man die Läufer am besten abpassen kann. Denn auch das Publikum kam in Palma nicht zu kurz. Der Parcours bot die Möglichkeit seinen liebsten mindestens drei oder viermal anzufeuern.


Blick auf die Läufer auf einem Vorplatz der Kathedrale

Kilometer 19. Die Halbmarathon-Läufer machten sich auf zum Endspurt, wenn sie noch konnten, und für die Marathonis begann jetzt der eigentliche Marathon. Ich fühlte mich  großartig und bedankte mich mit einem „High Five“ bei der netten Streckenpostin, die aufpasste, dass auch jeder die richtige Richtung einschlug. Marathonis links, Halbmarathonis rechts.


Trennung Marathon und Halbmarathon nach 19 KM

Die nächsten Kilometer führten entlang einer Nebenstraße, parallel zur Strandpromenade und waren landschaftlich weniger reizvoll. Auch Publikum verirrte sich hier nur selten. Ein gelegentliches "muy bien" von meist fröhlichen, attraktiven Zuschauerinnen riss mich aus meinen Gedanken und entlockte mir ein Lächeln oder gar einen Handkuss. Gute Laune steckt eben an.
Ab Kilometer 30 war die Einsamkeit in der tristen, grauen Umgebung Vergangenheit. Hier, zwischen Ballermann 5 und 6, eine Straße vor der berüchtigten „Schinkenstraße“, war ein Wendepunkt und die Strecke führte ab jetzt entlang der Küste zurück nach Palma. Links das Meer und die inzwischen strahlende Sonne im Nacken. Hier versammelten sich auch viele Zuschauer, die einen Vorgeschmack auf den Zieleinlauf gaben. Sie klatschten und riefen meinen Namen, der auf der Startnummer aufgedruckt war. Das gab mir Kraft und ich bedankte mich mit einer Serie „La Ola“, die prompt erwidert wurde.
Jetzt begannen die schwierigsten und entscheidenden Kilometer. Ab Kilometer 30 kommt in schöner Regelmäßigkeit der sogenannte „Mann mit dem Hammer“. Das ist der Moment, wenn die Kohlenhydratspeicher leer sind und der Körper fast ausschließlich aus Fett Energie bereit stellt. Der Mensch kann zwar extrem lange aus seinen Fettreserven Energie schöpfen, jedoch erkauft man sich das durch ein Gefühl extremer Belastung.
Der Laufgott meinte es heute gut mit mir. Auch die letzten Kilometer spulte ich verhältnismäßig problemlos ab. Und mit jedem Läufer den ich jetzt noch überholte, es sollte noch einige werden, war ich froh und stolz gut trainiert und die Kräfte während des Wettkampfs richtig eingeteilt zu haben. Ab Kilometer 41 wollte ich meine Beine dann nicht mehr halten. Ich ließ sie gewähren. Und sie trugen mich beflügelt Schritt für Schritt in Richtung Ziel. Mit jedem Schritt ein bisschen schneller.
Dann die letzte Kurve nach rechts. Es geht Abwärts in den etwas tiefer gelegenen Parc de la Mar. Die Kathedrale und der davor liegende See zur linken. Rechts baute sich die Natursteinmauer auf, die uns von der Hauptstraße trennt. Unter den Füßen ein 200 Meter langer, mit orangefarbenem Teppich überzogen Holzsteg - die präparierte Zielgeraden.  Menschenschlangen entlang der letzten Meter. Auch für heute hatte ich mir wieder etwas für den Zieleinlauf einfallen lassen. Eine Tradition von mir. Mit einer roten Clownsnase, die ich am Freitag bei dem „Medizinischen Kabarett“ von und mit Dr. Eckert von Hirschhausen erstanden habe, genoss ich mit ehrlichem Lächeln die letzten Meter. Sie jubelten und winkten. Auf der Ziellinie und küsste ich den Boden, denn so ganz nebenbei habe ich mit 3:09 Std. meine persönliche Bestzeit und einen guten 85. Platz gelaufen.


Zielgeraden - Höchste Zeit zum Genießen



Neue Bestzeit!

Katrin war ebenfalls von der guten Stimmung infiziert. Noch bevor ich eine Chance zu Duschen hatte meinte sie "Du, ich glaube auf Gran Canaria gibt es auch einen Marathon".


Glücklich und zufrieden im Ziel

Läuferweisheit

Läuferweisheit